Visitenkarte

Ich wollte eine Visitenkarte gestalten.

Etwas, das mich repräsentiert. Etwas, das erzählt, wer ich bin.

Doch jedes Mal, wenn ich versuchte, eine Antwort darauf zu finden, kam ich an denselben Punkt zurück: Ich kann meine Identität nicht losgelöst davon betrachten, wie andere mich wahrnehmen.

Die Frage danach, wer ich bin, verschiebt sich immer wieder zu der Frage, wie ich gelesen werde.

Nicht als deutsch gelesen zu werden, ist keine einzelne Erfahrung. Es ist ein Blick, eine Nachfrage, eine Annahme. Es ist das Wissen darum, dass Zugehörigkeit nicht nur von dem abhängt, was ich über mich selbst weiß, sondern auch davon, was andere in mir zu erkennen glauben.

Dieses Gefühl kann lähmen.

Ich weiß keine Antwort darauf. Mir bleibt nichts anderes übrig, als bei diesem Gefühl zu verweilen und die Fragen sichtbar zu machen, die daraus entstehen.

Gewebe 

Die Visitenkarte wurde textil umgesetzt.

Meine Großmutter arbeitete als sogenannte Gastarbeiterin in einer Textilfabrik. Das Gewebe erinnert an die Arbeit und die Geschichten vieler Menschen, die Deutschland mit aufgebaut haben und dennoch oft nicht als selbstverständlicher Teil deutscher Erinnerung wahrgenommen werden.

Die gewebte Visitenkarte verbindet diese Familiengeschichte mit Fragen nach Zugehörigkeit, Sichtbarkeit und Anerkennung.

Fragen

Was bleibt von mir übrig, wenn ich aufhöre, mich durch die Augen anderer zu betrachten?

Welche Geschichten fehlen in unserem Verständnis von deutscher Identität?

Was würde sich verändern, wenn wir Zugehörigkeit nicht an Zuschreibungen knüpfen würden?